Safeguarding Cultural Heritage
 

Das Zusammenspiel der Kräfte

Die Kombination der Instandhaltung und -setzung historischer Stätten in Vietnam mit der Ausbildung einheimischer Restauratoren wurde ermöglicht durch ein gemeinsames Wirken vieler Institutionen und Menschen. Die Ziele aller Beteiligten in Deutschland und Vietnam sind die Denkmalpflege, die Konservierung und Restaurierung nach den Standards der UNESCO sowie eine solide Ausbildung der neuen Fachkräfte. Die übergeordnete Perspektive bei allen drei Projekten ist: der Kulturerhalt in Vietnam als Beitrag zur Wahrung der nationalen Identität auf Grundlage gleichberechtigter Partnerschaft. Die wichtigsten Akteure hier wie dort waren und sind:

Das Kulturerhalt-programm des Auswärtigen Amtes
der Bundesrepublik Deutschland

Die Initiative und Finanzierung für alle drei Projekte gehen aus vom Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1981 unterstützt es die Bewahrung kulturellen Erbes in aller Welt. Ziel ist vorrangig der Erhalt der Kultur in Entwicklungsländern, aber auch der deutschen Kultur im Ausland. Gefördert wurden bisher über 2.200 Projekte in 136 Ländern – mit einer Summe von etwa 43,5 Millionen Euro. Darunter sind:
- weltliche und kirchliche Bauten
- historische Gegenstände
- Handschriften und mündliche Überlieferungen
- Museen und Archive
- Filme, Dokumentationen, Ausstellungen, Publikationen zum kulturellen Erbe
- Aus- und Fortbildung von Restauratoren, Archivaren, Archäologen und Museumsdirektoren
Das Kulturerhalt-Programm hilft der Identitätswahrung und -findung der Entwicklungsländer, fördert den Kulturdialog und ist damit ein starkes Instrument der deutschen auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Die deutsche Botschaft in Hanoi

Die deutsche Botschaft in Hanoi war und ist verantwortlich für die Koordination und Steuerung der drei Projekte im Lande. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam bestehen nun seit 35 Jahren und haben sich im politischen wie wirtschaftlichen, aber auch im kulturellen Bereich sehr eng und freundschaftlich entwickelt. Anlässlich des Jubiläums in 2010 finden eine Vielzahl von Veranstaltungen in Vietnam und Deutschland statt.

Das Hué Monuments Conservation Center (HMCC)

Seit 1993 steht das Ensemble der kaiserliche Stadt in Hué unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Dazu zählen auch das An Dinh Palais und die Grabanlage des Kaisers Tu Duc. Das Hué Monuments Conservation Center zeichnet verantwortlich für die Erhaltung, das Management und die Präsentation aller schützenwerten Bauten. Das HMCC hatte Fassade und Parkanlage des An Dinh Palais bereits 2002 in Eigenregie instand gesetzt, um ab 2003 die Arbeiten des deutsch-vietnamesischen Projektteams im Innenbereich und an der Dekoration zu unterstützen. Es ist ebenfalls aktiv an der Grabanlage Tu Duc’s und anderen Kaisergräbern der Nguyen-Dynastie. Einige der Restauratoren-Trainees fanden bei der Institution neue Aufgaben.

Das Team der German Conservation Restoration and Education Projects (GCREP)

German Conservation Restoration and Education Projects ist ein Team von deutschen Restauratoren und internationalen Kommunikationsfachleuten, das sich während der Projektarbeit am An Dinh Palais gegründet hat. Seine Philosophie umfasst vier wesentliche Aspekte:
- Die Durchführung von Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an erhaltenswerten
  historischen Malereien, Dekorationen, Architekturfassungen und Bauten nach den UNESCO-
  und ICCROM-Standards.
- Die theoretische und praktische Ausbildung von interessierten und begabten Künstlern und
  Handwerkern zu Restauratoren = Schaffung neuer fachlicher Kapazitäten vor Ort.
- Die Forschung und Dokumentierung zu den ursprünglich eingesetzten Materialien und
  angewandten Techniken = Transparenz des Restaurierungsprozesses und Optimierung
  zukünftiger Instandsetzungsprojekte.
- Die Dokumentation, Präsentation und Publizierung der Projekte durch Ausstellungen, Druckschriften,
  Internetauftritte und PR = Steigerung der Aufmerksamkeit in der internationalen Öffentlichkeit
  Nach Abschluss der Arbeiten in Hué und Tran Dang sind weitere Projekte in Südostasien in
  Vorbereitung.
Andrea Teufel
Projektleiterin
Leitende Restauratorin
 
Dirk Böhme
Senior Restaurator
 
Jill Denton
Public Relations
 
Dominique Guglieri
Stellv. Projektleiterin
Creative Director

Die neuen vietnamesischen Restauratoren

Die Restauratoren-Trainees aus der Region Hué verfügen über ein abgeschlossenes Kunsthochschulstudium oder Erfahrung als Kunsthandwerker. Sie werden an die historischen Zusammenhänge der Artefakte herangeführt, können die naturwissenschaftlichen Abläufe in den Bauwerken nachvollziehen, erhalten einen Überblick über die traditionellen Baustoffe. Sie erlernen die Wirkungsweise der Materialien und Werkzeuge eines Restaurators, um diese sofort unter Anleitung zu erproben. Alle bringen ihr ganzes Wissen und Können unmittelbar ein und gleichen den Mangel an perfekten Bedingungen durch ihre Gelassenheit und ihren unglaublichen Erfindungsgeist mehr als aus. Sie lieben ihre Stadt, wissen um den Wert der historischen Schätze und sind stolz, an deren Erhalt mitzuarbeiten. Nach Abschluss ihrer Ausbildung hoffen sie auf neue Projekte, um die erworbene Kompetenz dann selbstständig einzusetzen.

Die Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes e. V. (GEKE)

Die Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes konzentriert sich auf die Projektsteuerung in der Denkmalpflege, um öffentliche Gelder und private Spenden zielgerichtet beim Erhalt kulturellen Erbes einzusetzen. Nach der Idee der niederländischen „Monumentenwacht“ unterstützt sie Forschung, Analyse, Fortbildung und Praxis auf diesem Gebiet – auch um der Öffentlichkeit den Zugang zu Denkmälern zu erleichtern und das Interesse zu fördern. Bisher vor allem in Deutschland und Osteuropa tätig, sind die aktuelle Buchdokumentation „An Dinh“ und die Begleitung der Arbeiten an der Grabanlage Tu Duc’s wichtige Schritte zur Erweiterung ihres Spektrums.

Die deutsch-vietnamesische Gesellschaft e. V. (DVG)

Die deutsch-vietnamesische Gesellschaft mit Arbeitskreisen in mehreren deutschen Städten und Regionen pflegt und fördert die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und leistet so einen gemeinnützigen Beitrag zur Völkerverständigung. Sie vermittelt Kenntnisse, Sprachkurse, Experten und Reisen über Vietnam, veranstaltet Tagungen und Seminare, stellt wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Kontakte her. Sie unterstützt humanitäre und entwicklungspolitische Projekte und hilft bei der Ausbildung von Vietnamesen. Die Gesellschaft ist Träger für das Projekt des Dorfkernes von Tran Dang und stellte den Kontakt zu Ly Truc Dung von Buffalo Architects her. Der erfahrene Architekt ist nun gemeinsam mit dem Restauratorenteam verantwortlich für die Instandsetzung des Gemeindehauses und der umgebenden Anlage.

Die Unterstützer

Unerlässlich für den Fortgang und den Erfolg der Arbeiten am An Dinh Palais, in Tu Duc’s Grabanlage und im Dorfkern Tran Dangs waren und sind die vielen hilfreichen Hände wie Köpfe der bisher Ungenannten. Ohne die stets präsenten Dolmetscher hätte es kein praktikables Ausbildungskonzept für die Restauratoren gegeben. Ohne die schnellen Übersetzer wäre die Ausstellung zum An Dinh Palais nicht rechtzeitig fertig geworden, gäbe es kein Buch zum Palast, keine Audioslideshow zum Kulturerhalt. Ohne das aufmerksame Wachpersonal in Hué und Tran Dang wären Material und Werkzeug gefährdet. Ohne die flinken Putzkräfte stünden sämtliche Projekte noch in ihrer Anfangsphase. Die freundliche, stets hilfsbereite Art der Menschen in Hué machte Mopeds wieder flott, organisierte und verlieh, wenn die Fotoausrüstung streikte. Und Thao, die Projektassistentin, räumte Schwierigkeiten aller Art aus dem Weg oder löste den Knoten, wenn es interkulturelle Verständigungsprobleme gab.