Das Projekt
Die Grabanlage Tu Duc’s bei Hué ist das zweite Projekt, bei dem das integrierte
Restaurierungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungskonzept zum Einsatz kam. Kernziel
der Arbeiten sind die Konservierung und Restaurierung des Tores und der Geisterblende
direkt am Eingang zur Grabstätte dieses vierten Kaisers der Nguyen-Dynastie. Wie beim
An Dinh Palais kämpft man auch hier gegen tropentypische Schäden, gegen Regenmassen
und hohe Luftfeuchtigkeit. Hinzu kommen die Kräfte des Dschungels, die Folgen unterlassener
Instandhaltung und des Tourismus. Im Rahmen einer Pilotmaßnahme liefern die deutschen
Restauratoren und ihre am An Dinh Palais ausgebildeten vietnamesischen Trainees ausführliche
Daten für ein Handbuch, das später bei der Konservierung der gesamten, weitläufigen Grabanlage
und ähnlicher historischer Bauten helfen soll. Das Projekt läuft von März 2009 bis Juli 2010.
Die restaurierten Objekte werden sich von der Art vergleichbarer Arbeiten in Vietnam deutlich
abheben: die Spuren der Zeit werden sichtbar bleiben, Original und Ergänzung ablesbar sein.
Die Substanz soll sich mit unnachahmlich patinierter Schönheit in ihrem gealterten Zustand
präsentieren, für die Zukunft gesichert sein und ein Zeichen für die Gesamtanlage setzen.
Eine Ausstellung anlässlich des Hué Kulturfestivals im Juni 2010 ist geplant.

Die Restaurierung
Die Kunsthandwerker, die seinerzeit die Grabanlage Tu Duc’s mit
errichteten, wussten um die Gefahren der klimatischen Bedingungen.
So entwickelten sie Dekorationsformen aus glasierter Baukeramik,
Porzellanmosaik, Frescomalerei und sehr stabile Mörtel. Allerdings
machten Baufehler am Eingangstor manche Vorteile wieder zunichte,
da ein mangelhafter Dachüberstand dafür sorgte, dass der Mörtel sich
auf Putz und Keramik in Kalkkrusten anlagerte und zu einem idealen Angriffspunkt
für Mikroorganismen wurde. Die gesamte Konservierung und Restaurierung von
Eingangstor und Geisterblende folgt den Standards der UNESCO und den
Maximen der internationalen Charta von Venedig. Vorgelagert waren
umfassende Untersuchungen zu den historischen Bestandteilen und
Techniken, zu den Schäden und ihren Ursachen, um eine wissenschaftliche
Grundlage für die Arbeiten zu erhalten. Die Maßnahmen gelten als eine
exemplarische Erprobung von modernen Konservierungsmaterialien und –methoden
an freibewitterten Baukunstwerken mit dem Ziel eines langfristigen
Substanzschutzes. Der daraus resultierende Leitfaden für die gesamte
Grabanlage setzt darauf, vorwiegend in Vietnam erhältliche Baustoffe mit
einer möglichst einfachen Anwendung einzusetzen. So sollen einheimische
Manufakturen wieder vermehrt glasierte Keramiken herstellen, der Markt
für Büffelhautleim, hochwertigen Kalk und das Papier des Do-Baumes soll
belebt werden. Das erfolgreiche Beispiel der Konservierung und Restaurierung
von Tu Duc’s Eingangstor und Geisterblende führt den einheimischen Handwerkern
die Vorzüge der traditionellen Bauweise vor Augen.

Die Geschichte
Tu Duc als vierter Kaiser der Nguyen-Dynastie und gleichzeitig derjenige mit
der längsten Amtszeit regierte von 1848 bis 1883. Weitläufig, inmitten von
Hügeln, Pinienwäldern Inseln und Seen ließ er bereits zu Lebzeiten seiner
letzte Ruhestätte errichten, um sich an ihr zu erfreuen. Erbaut von 1864
bis 1867 gilt sie als die vollkommenste der sieben Grabanlagen der Nguyen-Kaiser.
Das etwa 12 Hektar große Gebiet wird eingefasst von einer mächtigen Ziegelmauer,
bietet etwa 50 Gebäude und architektonische Elemente und unterteilt sich in zwei
generelle Bereiche: die Wohnanlage mit Tempeln, Pavillons und Gebäuden für die
diesseitige Welt und die eigentlichen Grabstätten für Tu Duc, seine Frau und andere
Familienmitglieder. Hier findet sich auch das nun zu restaurierende Eingangstor und
direkt dahinter unmittelbar vor dem Grab Tu Duc’s die Geisterblende. Die Blende dient
der Abwehr böser Geister und störender Winde – sie sichert die Ruhe des Potentaten.
Tu Duc liebte den Luxus und die schönen Künste. Oft floh er mit seinem Hofstaat aus
der rauen Wirklichkeit und dem Einfluss der französischen Kolonialmacht, zog sich
in diese Welt der Stille, Natur und Harmonie zurück. Als begeisterter Poet verfasste
er unzählige Gedichte auf der Veranda seines Teepavillons inmitten seines Refugiums,
während seine Augen über den idyllischen Luu Khiem Teich mit seinem Inselchen schweiften.
Die gesamte Grabanlage spiegelt die romantische Seele des Kaisers, beweist seinen Sinn
für Schönes und wurde 1993 unter den Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes gestellt.

Die Beteiligten
Initiiert durch das deutsche Restauratorenteam liegt die Finanzierung der
Konservierung und Restaurierung von Eingangstor und Geisterblende in der
Grabanlage Tu Duc’s sowie der Erstellung des Leitfadens für die zukünftigen
Arbeiten an dem Gesamtkomplex beim Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen
Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Im Lande steuert und koordiniert die
Deutsche Botschaft in Hanoi das Projekt. Spezialisten des Hué Monuments
Conservation Center (HMCC) unterstützen den Fortgang mit Rat und Tat. Die
Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes e. V. (GEKE) übernimmt die
Trägerschaft von 2009 bis 2010. Federführend für die Kombination aus
Restaurierungspraxis und Ausbildungsprogramm ist das Team der German Conservation
Restoration and Education Projects (GCREP). Die einheimischen Restauratoren
rekrutieren sich aus dem Kreis, der sich bereits beim An Dinh Palais hervortat,
hier weitere Erfahrungen sammelt und seine theoretische wie praktische Ausbildung
erfolgreich abschließen kann.
Mit freundlicher Unterstützung von: