Das Projekt
Das dritte Projekt der German Conservation Restoration and Education Projects (GCREP) wendet sich dem Volke direkt zu. Es geht um die Restaurierung des historischen Gemeindehauses von Tran Dang, eines Dorfes nahe der Metropole Hanoi im Norden Vietnams. Hinzu kommen weitergehende Vorschläge für die Instandsetzung des gesamten Dorfkerns. Das Ensemble besteht aus dem Gemeindehaus – dem Dinh – aus Pagode, Glockenturm, Brunnen, Brücken und Toren. Hier konzentrieren sich seit jeher alle gesellschaftlichen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft: die Dorfversammlungen, die Schutzgeistverehrung und der Markt. Das Dinh steht auf einer Halbinsel und ist von Teichen in Form einer Schildkröte umgeben. Die Schildkröte ist eines der vier für die Vietnamesen heiligen Tiere. Das vietnamesische Ministerium für Kultur, Sport und Technik hat dem 700 Jahre alten Gebäude den Status eines geschichtlichen Denkmals zuerkannt. Die Bewohner Tran Dangs haben das Dinh über die Jahrhunderte mit ihren Mitteln instand gehalten und auch immer wieder erweitert. Schädlingsbefall, Wassereinwirkung und Alterung hatten dem Haus arg zugesetzt. Die Bevölkerung war nun mangels Finanzen und Fachwissen damit überfordert. Das Projekt läuft voraussichtlich von 2009 bis 2010, um dem kulturhistorischen Verfall Einhalt zu gebieten und für den Dorfkern als Ganzes wieder eine ihm angemessene Perspektive zu entwickeln.Die Restaurierung
Traditionsbewusstsein und Geldmangel hatten das Gemeindehaus von Tran Dang glücklicherweise vor verfremdenden Modernisierungen bewahrt. Jedoch waren die Gesamtkonstruktion aus Eisenholz, die Dächer von Haupthaus und Altaranbau ernsthaft gefährdet und lieferten den Anstoß für das Projekt. Die Balken verzieren kunsthandwerklich wertvolle, teilweise farbige Schnitzereien mit volkstümlichen, mythologischen und ornamentalen Darstellungen. Auf dem First des Haupthauses finden sich Plastiken heiliger Tiere aus seltener schwarzer Keramik, deren Ursprünge auf die Le Dynastie zurückgehen. Die mosaikverzierten Plastiken auf dem First und an den Giebeln des Altaranbaus stammen vermutlich aus der Nguyen-Dynastie. Zunächst geht es um die dauerhafte Bekämpfung der Termiten und Nagekäfer. Die Dächer beider Gebäudeteile, die Konsolen und Außenwände werden repariert bzw. nach ihren historischen Vorbildern mit Eisenholz – Lim-Holz – und traditionellen Materialien bei Mauerwerk und Putz erneuert. Der vorgefundene moderne, nüchterne Altar wird durch einen Nachbau des Originals ersetzt. Notwendig sind auch eine neue Elektroinstallation und Sanitäranlage. Die Restaurierung der seltenen Dekorationen an den Dachfirsten und Giebelfeldern geschieht in einem zweiten Schritt. Die Dorfbevölkerung begleitet die Arbeiten am Gebäude durch Reinigung der umgebenden Teiche, des Brunnens und der Gesamtanlage. Das Restauratorenteam erstellte einen Katalog, der die Schäden an den weiteren Bauwerken wie Pagode, Glockenturm, Haupttor, Mauern, Brücken und Brunnen definiert sowie die dringend erforderlichen Maßnahmen zu deren Behebung nennt. Hier ist eine Fortsetzung der Arbeiten in naher Zukunft geplant, weil auch der räumliche Zusammenhang für die Wahrnehmung des eigentlichen Denkmals, des Gemeindehauses, wichtig ist. Die gesamte Restaurierung und die weiterführenden Empfehlungen folgen den Standards der UNESCO und den Maximen der internationalen Charta von Venedig.Die Geschichte
Die Gründung des historischen Dorfkerns von Tran Dang mit dem Gemeindehaus als seinem ältesten Gebäude geht zurück auf die Tran-Dynastie (1225-1400). Während der Le-Dynastie (1428-1788) erweiterte man das Dinh zur Verehrung des dörflichen Schutzgottes um den Altarraum und die Pagode. Der schildkrötenförmige Teich um das Dinh zieht die Verbindung zum dem im Dinh verehrten General Cao Lo. Das Tier soll der Legende nach entscheidend beim Sieg seines Königs An Duong Vuong während der Thuc-Dynastie im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung mitgeholfen haben. Der Glockenturm, der Dorfbrunnen, die Brücke zum Dinh und das Haupttor zum Platz stammen aus der Nguyen-Dynastie (1802-1945) – in dieser Zeit wurden auch die letzten kunsthistorischen bedeutenden Neugestaltungen vorgenommen. Im amerikanischen Krieg warnte der Glockenturm die Umgebung vor Luftangriffen, im Gemeindehaus lagerte man Reis und andere Lebensmittel. Nach Kriegsende wurden die Schäden notdürftig repariert, und das Dinh wurde wieder zum Zentrum der Dorfgemeinschaft. 1988 erhielt es vom vietnamesischen Kulturministerium den Status eines geschichtlichen Denkmals.Die Beteiligten
Initiiert und finanziert wird die Restaurierung des Gemeindehauses von Tran Dang und der Maßnahmenkatalog für den gesamten Dorfkern durch das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Im Lande steuert und koordiniert die Deutsche Botschaft in Hanoi das Projekt. Die deutsch-vietnamesische Gesellschaft e. V. (DVG) übernimmt die Trägerschaft von 2009 bis 2010. Federführend für die Restaurierung ist das Team der German Conservation Restoration and Education Projects (GCREP). Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit Ly Truc Dung, einem erfahrenen Architekten des einheimischen Unternehmens Buffalo Architects, der für Bauaufsicht, Planung und Überwachung der Bauausführung verantwortlich ist. Die Dorfbevölkerung selbst begleitet das Projekt durch umfangreiche Reinigungs- und Aufräummaßnahmen auf dem gesamten Gelände.




















