..> Alte Website
(sehr ausführlich)
Das Projekt
Das An Dinh Palais in der alten Kaiserstadt Hué war das erste Projekt, für das die deutschen Restauratoren des heutigen GCREP-Teams ein integriertes Restaurierungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungskonzept entwickelten, um es dann in mehreren Phasen von 2003 bis 2008 umzusetzen. Das Gebäude mit seinen einzigartigen Decken- und Wandmalereien litt unter dem tropischen Klima und mangelhafter Instandhaltung. Hinzu kamen Umbauten, Ergänzungen und Übermalungen – eine Folge der Zwischennutzung des Palais als Notunterkunft und Gewerkschaftshaus. Ein Ergebnis des amerikanischen Krieges war der Fachkräftemangel in Vietnam, dem man mit diesem Konzept entgegenwirkte. Die Konservierung und Restaurierung des Palais und die Ausbildung der vietnamesischen Trainees waren ein voller Erfolg, der auch von der Fachwelt gewürdigt wurde. 2008 präsentierte sich das An Dinh Palais anlässlich des Hué Kulturfestivals mit einer großen Ausstellung zu den Arbeiten erstmals wieder der Öffentlichkeit. Nun ist das Bauwerk mit seiner ganzen Pracht wieder im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen.Die Restaurierung
Für Vietnam keineswegs selbstverständlich: die gesamte Konservierung und Restaurierung des An Dinh Palais folgte den Standards der UNESCO und den Maximen der internationalen Charta von Venedig. Nach der Analyse zu Substanz, Schäden und Materialien begann die Instandsetzung an den sechs großen Wandmalereien im Vestibül des Palais. Sie zeigen die Grabanlagen von sechs Kaisern der Nguyen-Dynastie und gelten als sehr frühe erhaltene Zeugnisse westlicher Malerei in Vietnam. Nach und nach arbeiteten sich die Restauratoren und Trainees durch die Salons und Gartenzimmer im Erdgeschoss, die von Wandmalereien in Seidenoptik geprägt sind. Sind die Motive innen schwer und üppig, werden sie nach außen hin lichter und floraler. Eine Vielzahl von Innenfenstern und Türen führen zu einer surrealen Anmutung. Neben der Arbeit an Decken und Wänden wurden die ursprünglichen Grundrisse wieder hergestellt, Türen eingesetzt und Deckenträger saniert. Im repräsentativen Treppenhaus war eine Konservierung unmöglich, so dass man sich für eine behutsame Ergänzung entschied. Das Resultat ist eine ästhetische, lebendig-leichte Stimmung, die auch den Vorgang der Restaurierung sichtbar macht. Die Wände im ersten Obergeschoss bieten einen Kontrast zum Parterre. Mit Elementen der vietnamesischen Dekoration entsteht der Eindruck einer europäischen Tapete, eine beispiellose Kulturfusion. Dank eines substanzschonenden Verfahrens und fast ausschließlich mit vietnamesischen Werkzeugen wie Materialien gelang es, den Putz nach Behandlung der Eisenträger wieder zurückzuführen. Dies gilt im Lande bereits als beispielhaft für zukünftige Restaurierungen.Die Geschichte
1916 hob die französische Kolonialregierung Khai Dinh als zwölften und vorletzten Kaiser der Nguyen-Dynastie ins Amt. Die Zeiten waren unruhig, die Franzosen regierten rigoros, das Volk hungerte, nur eine winzige Oberschicht profitierte von den guten Ernten. Khai Dinh lebte in einer höfischen Scheinwelt und spielte seine Marionettenrolle perfekter als all seine Vorgänger. Seine Leidenschaft waren die Architektur allgemein und die Barockschlösser Frankreichs im Besonderen. Er ließ viele Gebäude errichten, von denen nur das An Dinh Palais und seine Grabanlage erhalten sind. Bei dem von 1916 bis 1918 errichteten Palais gab Khai Dinh europäischen Materialien wie Ziegeln, Eisen, Stahl und Zement den Vorzug. Traditionelle Dekorationen ließ er stilistisch verändern, westliche Elemente bei Tapetenmustern, Wandbemalungen und Stuckverzierungen kamen hinzu. Es entstand eine eigenständige Handschrift, ein Paradebeispiel frühen Kulturaustausches. Khai Dinh war ein Lebemann, leistete sich vier Ehefrauen und zahlreiche Konkubinen, sprach dem Opium zu. Für seine Ausschweifungen verließ er die kaiserliche Stadt in Hué, wechselte zu Kognak und Kartenspiel in das An Dinh Palais. Gewidmet hat er das Palais seinem Sohn Bao Dai, dem nach Khai Dinh’s Tod im Jahre 1925 letzten Kaiser Vietnams. Als die Unabhängigkeitsbewegung unter Ho Chi Minh seine Abdankung erzwang, zog Bao Dai mit seiner Mutter Tu Cung, seiner Frau und seinen Kindern in das An Dinh Palais. Nach dem Indochinakrieg ging er ganz nach Paris, nur seine Mutter blieb im Palast, den sie 1975 nach Ende des amerikanischen Krieges verlassen musste. Sie starb 1980, ohne Bao Dai je wieder gesehen zu haben.Die Beteiligten
Initiiert und finanziert wurden die Konservierung und Restaurierung der Decken- und Wandmalereien des An Dinh Palais durch das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Im Lande steuerte und koordinierte die Deutsche Botschaft in Hanoi das Projekt. Das Hué Monuments Conservation Center (HMCC) hatte Fassade und die das Palais umgebende Parkanlage bereits 2002 instand gesetzt, es unterstützte auch die Innenarbeiten. Zwei Vereine auf deutscher Seite übernahmen die Trägerschaft von 2003 bis 2008. Bei der großen Ausstellung zum Abschluss der Arbeiten und zum Hué Kulturfestival 2008 war die Gesellschaft „Ost trifft West e. V.“ beteiligt. Federführend für die Kombination aus Restaurierungspraxis und Ausbildungsprogramm war das Team der German Conservation Restoration and Education Projects (GRCEP). Es wählte zunächst die 15 künstlerisch vorgebildeten Trainees in Hué und Umgebung aus. Diese wurden schrittweise praktisch, gepaart mit der Vermittlung der theoretischen Grundlagen an die Konservierung und Restaurierung herangeführt und waren ein großer Gewinn für das Projekt. Die allgegenwärtigen Dolmetscher, Übersetzer und Assistenten, das Wach- und Putzpersonal trugen durch Organisationstalent und Flexibilität zum erfolgreichen Ergebnis der Arbeiten bei.


















































